Tätigkeitsbereiche
Als Brücke zwischen Europa und Afrika nimmt Marokko eine wichtige geostrategische Rolle ein. Das Land hat sich zu einem bedeutenden Wirtschafts- und Investitionsstandort entwickelt und gewinnt sowohl in Afrika als auch in der Zusammenarbeit mit Europa weiter an politischem und wirtschaftlichem Gewicht.
Die Hanns-Seidel-Stiftung unterstützt in Marokko Reform- und Entwicklungsprozesse mit dem Ziel, zukunftsfähige gesellschaftliche Strukturen zu fördern. Im Mittelpunkt stehen der wirtschaftliche Dialog, faire Fachkräftemigration, die Stärkung der Zivilgesellschaft sowie faktenbasierte Debatten zu sozioökonomischen, politischen und internationalen Herausforderungen.
Durch Dialogformate, Beratung, Publikationen und politische Bildungsmaßnahmen bringt die HSS Akteure aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung, Medien und Zivilgesellschaft zusammen. Besondere Schwerpunkte liegen auf nachhaltiger wirtschaftlicher Entwicklung, innovativen Finanzierungsinstrumenten für NGOs, ehrenamtlichem Engagement, partizipativer Entwicklung und Medienkompetenz sowie der Förderung von faktenbasierten Diskursen zu lokalen, nationalen und internationalen Herausforderungen – sowohl in Marokko als auch zwischen Marokko und Deutschland.
Wirtschaftliche Entwicklung und Fachkräftemigration
Marokko entwickelt sich zunehmend zu einem wichtigen Wirtschafts- und Investitionsstandort an der Schnittstelle zwischen Europa und Afrika. Durch die gezielte Förderung strategischer Sektoren wie Automobilindustrie, Luftfahrt, erneuerbare Energien, Digitalisierung und Tourismus verfolgt das Land das Ziel, seine Wirtschaft weiter zu diversifizieren und regionale Wertschöpfungsketten zu stärken. Zugleich gewinnt Marokko als Partner Deutschlands und als wirtschaftliche Drehscheibe in der MENA-Region weiter an Bedeutung.
Die Projektarbeit der HSS zielt vor diesem Hintergrund auf die Stärkung des wirtschaftlichen Dialogs sowie des regionalen Erfahrungsaustauschs zwischen Akteuren aus Marokko, Deutschland und weiteren MENA-Ländern ab. Zudem unterstützt die HSS durch Situationsanalysen, Sensibilisierungsmaßnahmen, Policy-Briefs und Dialogformate einen faktenbasierten Dialog zu Fachkräftemigration sowie der Entwicklung fairer, transparenter und partnerschaftlicher Migrationswege. Damit leistet die HSS einen Beitrag zur nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung, zur bilateralen Zusammenarbeit und zur Stärkung regionaler Zukunftsperspektiven in der MENA-Region.
Resilienz der Zivilgesellschaft
In Marokko hat sich die Zivilgesellschaft in den vergangenen Jahren deutlich weiterentwickelt. Zahlreiche Organisationen engagieren sich in Bereichen wie sozialer Entwicklung, Menschenrechten, lokaler Teilhabe, Bildung und nachhaltiger Entwicklung. Zugleich stehen viele zivilgesellschaftliche Akteure weiterhin vor strukturellen Herausforderungen, insbesondere mit Blick auf Finanzierung, Professionalisierung, Sichtbarkeit und institutionelle Stabilität.
Die Projektarbeit der HSS zielt vor diesem Hintergrund auf die Stärkung der finanziellen und institutionellen Resilienz zivilgesellschaftlicher Organisationen ab. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Förderung innovativer Finanzierungsinstrumente wie Crowdfunding. Zivilgesellschaftliche Organisationen werden darin unterstützt, eigene Kampagnen zu entwickeln, neue Unterstützergruppen zu erreichen und konkrete Projekte eigenständig zu finanzieren.
Zudem fördert die HSS den Ausbau ehrenamtlichen Engagements, insbesondere im Hochschulbereich, sowie die Vernetzung relevanter Akteure aus Zivilgesellschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Fachkreisen. Durch Fortbildungs- und Beratungsangebote sowie Dialogformate soll die Handlungsfähigkeit zivilgesellschaftlicher Organisationen gestärkt werden. Damit leistet die HSS einen Beitrag zur langfristigen Festigung gesellschaftlicher Teilhabe und zur Resilienz der marokkanischen Zivilgesellschaft.
Diskurse zu sozioökonomischen, politischen und internationalen Herausforderungen
In den letzten Jahren haben sich die Möglichkeiten und Formen von bürgerschaftlichem Engagement in Marokko grundlegend verändert. Derzeit gibt es über 200.000 zivilgesellschaftliche Organisationen in Marokko, deren Anzahl vor allem im letzten Jahrzehnt enorm angestiegen ist. Diese Entwicklung ist auf die politische Öffnung seit Ende der 1990er Jahre sowie auf Auswirkungen des Arabischen Frühlings von 2011 zurückzuführen. Zugleich gibt es in Marokko im internationalen Vergleich eine geringe Spendenbereitschaft gegenüber Organisationen und eine noch schwach ausgeprägte Kultur für ehrenamtliches Engagement.
Grund für das niedrige Spendenverhalten an Organisationen ist der in Marokko und der gesamten arabischen Welt verbreitete Ansatz, dass man direkt an Bedürftige (als Einzelpersonen) spendet. Ein ausgeprägtes Bewusstsein für das Spenden an Organisationen, welche sich strukturell und wirkungsvoll mit gesellschaftlichen Problemlagen befassen, ist noch nicht vorhanden. Angesichts des insgesamt steigenden Wohlstands in Marokko bedarf es nach Einschätzung von Experten und Praktikern im Feld einer Weiterentwicklung und Professionalisierung der Kultur des Gebens.
Vor diesem Hintergrund unterstützt die HSS Analysen zu diesem Thema, um damit die Diskussion zu aktuellen Herausforderungen und Reformbedarfe in der Öffentlichkeit sowie im politischen Raum zu ermöglichen. Zudem fördert die HSS innovative Projekte im Bereich des Spenden- und Ehrenamtswesens. Damit soll ein Beitrag geleistet werden, um die Kultur des Ehrenamts und Spendens in Marokko weiterzuentwickeln und somit die Resilienz der marokkanischen Zivilgesellschaft zu stärken.
Stärkung von Community-Media-Organisationen
In Marokko gewinnen Community Medien zunehmend an Bedeutung, da sie zusätzliche Räume für lokale Information, Austausch und gesellschaftliche Beteiligung schaffen. Sie ermöglichen Bürgern, insbesondere Frauen und jungen Menschen, lokale Anliegen sichtbar zu machen, eigene Perspektiven einzubringen und sich aktiv am öffentlichen Diskurs zu beteiligen.
Die Projektarbeit der HSS zielt vor diesem Hintergrund auf die Stärkung von Community-Media-Organisationen sowie auf die Förderung politischer und medialer Teilhabe ab. In Zusammenarbeit mit marokkanischen Partnerorganisationen werden insbesondere Akteure in benachteiligten Stadtvierteln und strukturschwachen Regionen unterstützt. Durch Fortbildungen, Beratung und praktische Medienarbeit werden technische, journalistische und demokratische Kompetenzen vermittelt, damit lokale Vereine gesellschaftliche Herausforderungen besser aufgreifen und öffentlich kommunizieren können.
Ein besonderer Fokus liegt zudem auf der Förderung von Medienkompetenz im Schulbereich. Lehrkräfte sowie Schüler werden darin unterstützt, digitale und demokratische Kompetenzen aufzubauen und eigene Medienformate zu entwickeln. Damit leistet die HSS einen Beitrag zur Stärkung lokaler Öffentlichkeit, zur politischen Bewusstseinsbildung und zur gesellschaftlichen Teilhabe junger Menschen.